Die Sache mit dem Cocktail-Schirmchen

Nachdem in letzter Zeit häufig Fanfiktions wegen fehlendem Disclaimer gemeldet wurden, hier ein paar Worte dazu:

Der Schutzfaktor eines Disclaimers bei Fanfiktions vor rechtlichen Folgen ist gleich Null. Ein Disclaimer ist ein Haftungsausschuss, der bei Fanfiktions – bei der vorsätzlichen Verwendung von fremden geistigen Eigentum – vollkommen irrelevant ist. Man schließt zwar jegliche Haftung aus (bzw. täte das gerne – Danke an miffi für die Korrektur), stellt aber dennoch bewusst und wissentlich Material online, deren Rechte an Charakteren nicht bei einem selbst liegt, sondern bei einem anderen Autor/Verlag. Ein Haftungsausschluss wirkt hierbei so schützend, wie ein Cocktail-Schirmchen in der prallen Sonne der Sahara im Hochsommer.

Fanfiktions sind kein neues Phänomen, schon in den 70er Jahre gab es sogenannte „Fanzine“-Magazine, weshalb die rechtliche Seite von Fanfiktions schon von allen Seiten beleuchtet wurde und von mir nicht näher ins Auge gefasst wird. Nur so viel: Wir befinden uns mit Fanfiktions in einer Grauzone. Sobald ein Rechteinhaber uns kontaktiert, wie es beispielsweise bei „Black Dagger“ der Fall war, und explizit die Verwendung seiner Charaktere für Fanfiktions untersagt, sind wir gezwungen den Fandom zu sperren und dafür Sorge zu tragen, dass – soweit es uns möglich ist und wir darüber informiert sind – dieser Wunsch bzw. diese Anordnung auf Fanfiktion.de durchgesetzt wird.

Andere Länder, andere Sitten: In Russland, beispielsweise, werden teilweise Fanwerke als Bücher publiziert. Der Originalautor der Wächter-Tetralogie – Sergei Lukjanenko – fand einen derartigen Gefallen an Fanwerken zu seiner Reihe, dass er manche Geschichten (mit Erlaubnis der Fans bzw. Autoren) in seinen Originalcanon einfließen ließ.

J.K. Rowling ließ in einem Interview wissen, dass sie Fanfiktions durchaus duldet, obwohl sie die Entwicklung der „Erwachsenen-Versionen“ mit Sorge betrachtet. Eric Flint geht sogar so weit, dass er eine eigene Seite unterhält und dort „Aufträge“ gibt, um die Ergebnisse in seine 1632-Serie einzuverleiben. Terry Pratchett ist nicht begeistert von Fanfiktions, duldet sie aber, da sie unter seinen Fans zu einer engeren Gemeinschaft und zum Dialog führt. Tamora Pierce ist der Meinung, dass sie durch die Erlaubnis, zu ihren Geschichten Fanfiktions zu schreiben, ihren jungen Fans einen Weg aufzeigt, um selbst Autoren zu werden. Weitere Informationen (bzgl. US-Rechtslage) sind hier zu finden.

In diesem Sinne: Es bleibt einem Autor selbst überlassen, ob er einen Disclaimer setzen möchte, oder nicht. Geschichten ohne Disclaimer sind nicht regelwidrig und bedürfen deshalb auch keiner Meldung.

Anders sieht die Sache selbstverständlich bei Plagiaten aus; Plagiate setzen dem Team innerhalb von Sekunden den Hut in Brand. Die Konsequenz hierbei führt unweigerlich zur Sperrung, bis hin zur Accountsperrung des Plagiateurs.

Zum Abschluss wünsche ich euch schöne Ferien, oder einen schönen Urlaub den ich nicht habe,

Nocti

26 Kommentare zu „Die Sache mit dem Cocktail-Schirmchen“

  1. UndDasNachts

    Ich finde Disclaimer teilweise sehr unnötig, da ja jeder Fan (sonst wäre man ja nicht n dem entsprechenden Fandom) wissen müsste, dass die Charaktere nicht dem FFAutor gehören.
    Ich setze sie nicht, aber jeder weiß, dass ich nur mit den Charakteren spiele. Daher find ich das mit dem keine Disclaimer eigentlich sinvoll.
    Oder zumindest akzeptabel.

  2. Ich verwende Disclaimer nicht weil ich mir davon einen rechtlichen Schutz erhoffe, sondern weil ich hoffe, dass die Rechteinhaber durch das Eingeständnis, dass ihnen alles gehört, milde gestimmt werden und mir keine Unterlassungsaufforderung auf den Hals jagen. Aber hauptsächlich, weil es Tradition hat, und schaden kann es schließlich kaum. Im Falle einer Klage wäre er sogar eher nachteilig, weil man sich nicht damit rausreden kann, dass man nicht gewusst hat, dass das was man macht falsch ist (wenn man in einem Archiv postet ist das aber so oder so hinfällig, würde ich sagen).

    Wenn sich die Anwälte bei uns melden, müssen wir ihren Aufforderungen aber nicht nachkommen. Wirklich. Die Alternative wäre, dass man die Aufforderungen gerichtlich anfechtet. Das ist aus verschiedenen Gründen natürlich nicht unbedingt erwünschenswert und außer dem AO3 wüsste ich kein Archiv, dass es auch nur wagen würde, schließlich kostet das alles Geld und Anwälte.

    Ein weiterer Fall, in dem Autoren Material von Fans veröffentlich haben, wäre übrigens Marion Zimmer Bradley. Die hat Fangeschichten unter eigenem Namen veröffentlicht und als dann eine Fanautorin nicht wollte, dass ihre Geschichte umgearbeitet wird, hat sie sich komplett gegen Fanfiction ausgesprochen. In Japan dagegen scheint es keine Probleme zwischen Fanautoren und Verlagen zu geben, da die Verlage die Fans nicht vertreiben wollen.

    PS: Die Informationen auf der Wiki-Seite sind nicht mehr ganz aktuell. Die Entscheidung im Fall Salinger vs. Colting wurde etwas gekippt und muss erneut verhandelt werden (siehe http://transformativeworks.org/second-circuit-reverses-salinger-decision)

    1. Theoretisch könnten sich die Archivbetreiber natürlich weigern und gerichtlich gegen ein Verbot vorgehen, wie du aber sagst: Das wäre keine wünschenswerte Situation.

      Ja, das mit Marion Zimmer-Bradley hatte ich gelesen. In Japan scheint es so, als wären Fangeschichten sogar erwünscht – zumindest stand das in einem Artikel. Fangeschichten in deren Augen wohl Werbung und „Lob“ zugleich.

      Danke für den Link 😉

      1. Ja. Eigentlich ist es dämlich von Rechteinhabern, sich über Fanwerke aufzuregen. Jeder, der sie liest, muss ja schließlich vorher das Original kennen und da er/sie Fan ist, wurde wahrscheinlich dafür bezahlt. Fans sind die besten Kunden. Und es gibt schon einige Bücher, für die ich nur Geld ausgegeben habe, weil meine Lieblingsautorinnen sie toll fanden und/oder Geschichten darüber geschrieben haben.

        1. Geht mir ähnlich; Bei mir war es so, dass ich über Fanfiktions zu Harry Potter kam und nicht anders herum. Erst nachdem ich meine ersten HP-FFs gelesen hatte, habe ich mir die HP-Bücher gekauft.

  3. Man streitet nicht den Haftungsausschluss ab, sondern schließt Haftung aus ^^ (bzw. täte man das gern.)
    Und es heißt „Fanzine“.

    Ansonsten kann ich aber nur zustimmen. Und ich könnte mich stundenlang aufregen, dass manche Autoren Fanfiction dermaßen niederwalzen. Die sollen sich doch freuen, wenn sich Leute mit ihren Werken auseinander setzen! Mehr Auseinandersetzung bedeutet mehr Zusammenhalt im Fandom, stärkere Identifizierung mit den Charakteren, nicht zuletzt mehr Willen, den ganzen Merchandisingscheiß zu kaufen.

    Ich kenn keinen, der sagt „Wäähh, Bücher von Diana Gabaldon kauf ich nicht, die Fanfictions sind so eklig.“

    So ein Stuss *graaah*!

  4. ha! ich wusste es doch das diese disclaimer mich rechtlich nicht absichern -,-
    ich hatte damals so viel ärger in einen anderen forum weil ich keine gesetzt habe , das ich das forum verlassen habe

  5. Siberianchan

    Danke, Nocti… 🙂 – aber ich glaube, ich bleibe bei meinen Disclaimern. Es ist zwar rechtlich nicht die Druckerschwrze wert, die es im Print verbraucht, aber es ist doch eine symbolische Geste. 🙂 Ich zeige dem Autor – und den Lesern – wenigstens symbolisch, dass ich seine Rechte sehr respektiere und nicht anzutasten wage (massiv greifbar antasten würde ich sie erst, wenn ich Geld mit meinen FFs mache – oder behaupte, die Charas wären von mir. DANN kämen wir aus der Grauzone raus.). (damit stelle ich ja auch gleichzeitig klar, was ich von Leuten halte, die die Rechte des Autors eben mit Füßen treten).
    Das es mein Gewissen beruhigt, wenn ich das jedes Mal aufs Neue klarstelle, ist noch ein Nebeneffekt.
    Und außerdem hab ich regelmßig Heidenspaß daran, mir neue Paraphrasierungen für den Sachverhalt auszudenken und diese Paraphrasierungen auch bei anderen Autoren zu lesen, ist ein Heidenspaß.

    Hiermit erhebe ich den Disclaimer zur Kleinkunst.

    1. Hast du auf die Paraphrasierungen ein Copyright? *g* Spaß beiseite; Du hast Recht. Es ist eine symbolilsche Geste, mir ging es jedoch eher darum, dass einige Meldungen mit der Begründung „kein Disclaimer“ eingegangen sind und ich klarstellen wollte, dass ein Disclaimer nicht gefordert wird und eigentlich auch keinen rechtlichen Wert besitzt – dass er das Gewissen beruhigt, das leuchtet mir ein.
      „Disclaimer“ als Kleinkunst auszuführen gefällt mir btw. sehr gut 🙂

      1. Siberianchan

        Ein „Best of“ genialer Disclaimer-Sprüche wäre auch einmal was. Ganz beliebt ist es ja immer, den Spendenhut umhergehen zu lassen… es gibt wirklich einige Perlen darunter.

  6. Und wie sieht das Ganze bei realen Personen aus? Das ist doch auch ein Haftungsausschluss, wenn ich sage: „Alles erstunken und erlogen, will keinem schaden und verdiene kein Geld damit“ Können die einen dann trotzdem verklagen?

    1. Bei „Reale Personen“ zählen mE andere Grundvorraussetzungen, als bei fiktiven Figuren. Im Header vieler RPF steht der Zusatz, den du eben schon genannt hast. Keine Frage, das ist ein guter Zusatz, nur muss man sich trotz dessen immer darüber im Klaren sein, dass man über Reale Personen schreibt, die durch Geschichten – mögen sie auf fiktiv sein und gekennzeichnet frei erfunden – Schaden nehmen können. Für RP-Fanfiktion gelten andere Spielregeln, als für fiktive Figuren. Es gibt viele Archive, in denen Geschichten über Reale Personen verboten sind, aus dem einfachen Grund, dass sie rechtlich gesehen ein um vielfaches heißeres Pflaster sind, als Geschichten über fiktive Figuren.
      Die Stars (oder ihre Vertreter) können fordern (was einige schon getan haben), dass Geschichten, oder nur bestimmte Handlungsstränge, in denen sie vorkommen oder zu den Protagonisten zählen, gelöscht und verboten werden.

  7. o.O Und ich dachte immer, Disclaimer seien (auf FF.de?) Pflicht. Ham wa wieder wat jelernt.

  8. All-I-need

    Also ich setze auch immer einen Disclaimer und ich gebe gerne zu, dass ich ne Menge Spaß damit habe. Es kam auch schon vor, dass ich Disclaimer gelesen habe, in dene die jeweiligen Autoren es auf recht subtile Weise geschafft haben, sich über momentane Entwicklungen in ihrem Fandom aufzuregen, wie etwa mit „bei dem Zustand der Serie ist ja wohl klar, dass sie mir nicht gehört“. Böse, aber genial.

    Daher stimme ich Siberianchan zu und ernenne Disclaimer ebenfalls zur Kleinkunst.

    Übrigens kann ich zu Noctifer`s „Fallbeispielen für Autoren + Fanfictions“ noch Stephenie Meyer hinzufügen, die einige Fanfictions sogar REVIEWT und den jeweiligen Autoren noch Tipps gibt, wie sie die Charaktere echter wirken lassen können. Vor so einem aufgeschlossenen Verhalten kann man nur den Hut ziehen.

    lg, AIN

    1. Dass Stephenie Meyer in „ihrem“ Fandom unterwegs ist und sogar Tipps gibt, das macht sie wirklich sympathisch 🙂

  9. Dass Disclaimer einen Schreiberling keineswegs schützen, sollte eigentlich klar sein. Nicht nur in den Bereichen der Fanfiktion, in der es um Bücher, Computerspiele oder Filme geht, sondern insbesondere im Bereich Reale Personen, wie Du ja in einem Kommentar schon erwähnt hast. Da gelten völlig andere Spielregeln.

    Gibt übrigens noch eine Autorin, die zu ihren Lebzeiten regelmäßig Anthologien mit „Fanfiktion“ veröffentlicht hat: Marion Zimmer-Bradley. Sie ging sogar soweit, dass sie ein Buch nicht veröffentlicht hat, weil eine ähnliche Fanfiktion schon existiert hat.

    Anne Rice allerdings gehört zu den Autorinnen, die Fanfiktion grundsätzlich ablehnen.

    Ansonsten – wo kein Kläger … Es sollte sich nur jeder Schreiberling bewusst sein – egal, ob FPF oder RPF, dass es sich eben nicht nur um Fanfiktion handelt, sondern daraus auch ernsthafte Konsequenzen entstehen können.

    LG, Die Drude

    1. Siberianchan

      Bradley hat auch öfters Anthos veröffentlicht, in denen sie Leserfanfictions abdruckte – teilweise von ihr umgeschrieben.
      Plus, dass sie selbst ziemlich viele fanfictions in Fanzines veröffentlicht hat und dadurch auch erst einmal ihre Fanbase vergrößert hat.
      (und so sehr ich die Frau verehre – manche ihrer Avalon-Romane lesen sich wie Fanfictions zu den „Nebeln“)

      1. War nicht mindestens eins der Avalon-Bücher eine Fanfic zum ersten? Ich meine mich da an was zu erinnern …

        Sie hat ja eine Zeit lang Fanfictions von anderen gegen eine winzige Abfindung unter ihrem eigenen Namen abgedruckt. Aufgehört hat das erst, als eine Autorin eine etwas weniger winzige Abfindung wollte und dann war eben Schluss mit dem Veröffentlichen von Fanfics (das ist der Fall, von dem rotschopf redet – nur war das alle weniger positiv für FF-Autoren).

        1. Siberianchan

          Ich weiß, dass Diana L. Paxon Bradleys Aufzeichnungen und Notizen benutzt um regelmäßig weitere Avalon-Bücher auf den Markt zu schmeißen – alles was nach 1999 kommt, ist nicht mehr von der Dame selbst, sondern von ihrer… nennen wir es „nachlassverwalterin“. (Ich halt von dem nicht viel. Halbfertige Bücher nach der Vorstellung der Autorin beenden – ja. Aber das… ist das melken einer verwesenden Kuh.)
          Ob man das Fanfiction nennen kann?

  10. supi, ich setze auch nur Disclaimer, wenn mir danach ist…
    dann hat sich das ja geklärt.
    Das mit Sergej Lukianenko hab ich auch schon bemerkt z.B. hat sein Co-Autor von Wächter des Tages Wladimir Wassiljew auch seine ‚FanFiktion‘ Bewahrer des Caos‘ veröffentlich. Basiert aber hauptsächlich auf eigenen Charakteren.
    Das von den anderen Autoren, wie duie damit umgehen war auch interessant…
    Woher du das nur immer alles weißt…

  11. Was bitte sind Plagiate? 😀

    Ich muss sagen, ich setze den Disclaimer zu 99% aus Tradition ;D

    1. Plagiate sind Kopien. Zu Guttenbergsfall war ja ein Plagiatsfall: Er hat einfach Sachen anderer Autoren genommen und sie unter seinem Namen veröffentlicht.

      Wenn also deine FF von jemand anderem genommen wird, und der einfach 5 % der Wörter austauscht und sagt: „Meine Story!“, dann ist das ein Plagiat. Auch wenn er Szenen (ohne dein Einverständnis) in seine Geschichte übernimmt, also eigentlich immer wenn du etwas als dein (geistiges) Eigentum ausgibst, was eigentlich ein anderer erfunden/erdacht hat.

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