Dez 032010
 

Nicht nur in Japan haben Manga eine weit gestreute Leserschaft, auch in Deutschland werden zunehmend Manga gelesen – und gezeichnet.

Deutsche Mangaka sind noch (!) nicht so bekannt, wie die japanischen Zeichner und Zeichnerinnen, jedoch stehen unsere Talente den japanischen hinsichtlich Kreativität und zeichnerischem Können in nichts nach. Als junges, gutes Beispiel geht hier Christina Bäumerich, mit dem Shōnen Ai (homoerotischen Manga) „Snow Flake“ voran. Zu Anfang möchte ich auf die Altersempfehlung „Adult“ hinweisen, die bitte auch zu beachten ist.

Cover „Snow Flake“ von Christina Bäumerich

Klappentext „Snow Flake“ von Christina Bäumerich:

Als sich der zurückgezogene Kurai am Weihnachtsabend eine neue Liebe herbeisehnt, schwebt wie durch ein Wunder ein bezaubernd schöner Mann vom Himmel. „Yuki“ gleicht Kurais verstorbener Liebe aufs Haar, doch während Kurai zusehends auftaut, scheint der kühle Schönling immer schwächer zu werden … Ein Boys Love-Weihnachtsmärchen der besonders heißen Art – einfach zum Dahinschmelzen!

Wer mehr über Christina erfahren möchte, dem ist bei www.manganet.de das Special zu empfehlen. Dort gibt es einige Eckdaten zu Christina selbst, wie auch zu ihrem Debüt „Snow Flake“.

Passend zur aktuellen Vorweihnachtszeit liegt bei „Snow Flake“ ein winterlich-weihnachtlicher Abend vor uns und wir lernen Kurai kennen, dem an diesem Festtag so gar nicht zum Feiern zumute ist. Nach dem Tod seiner großen Liebe ist er einsam und resigniert, er meidet größere Gesellschaften, bleibt lieber für sich und verbringt seine Zeit damit vor sich hin zu brüten – was Toshi, der zusammen mit ihm zu feiern versucht, nicht davon abhält, ihn mit guter Laune, Euphorie und Optimismus zu überschütten. Wider aller Hoffnung wird sein Wunsch nach einer zweiten großen Liebe wahr, als Yuki auf wundersame Weise in sein Leben tritt. Yuki ist alles, was Kurai sich wünscht, aber er ist auch anders. Jemand besonderes, zerbrechliches, jemand bei dem Kurai unwissentlich in stetiger Gefahr läuft, auch ihn zu verlieren. Die Geschichte von Kurai und Yuki handelt von weihnachtlichen Wünschen & Wundern, von Freud & Leid und nicht zuletzte von der Liebe, die manchmal unerwartet und auf Umwegen zu einem kommt.

Als Zeichnerin muss sich Christina Bäumer nicht hinter den großen japanischen Mangaka verstecken, was sich auch deutlich in der Leseprobe von „Snow Flake“ und bei ihren FanArts, die auf Animexx zu finden sind, zeigt.

Sammelkarte „Snow Flake“ von Christina Bäumerich

[Fragen / Antworten via eMail]

1. Wie lange hat es gedauert „Snow Flake“ zu konzipieren und zu zeichnen?

[Christina] Etwa im Sommer 2009 hatte ich die Idee zu der Geschichte. Ich habe nachts von einer Szene geträumt und wollte die Geschichte eigentlich als Fanfiktion hier veröffentlichen, als „Yuki Arashi“, zu deutsch: Schneesturm. Ich habe mich aber anders entschieden und die Geschichte zu Egmont geschickt. Im Januar 2010 kam dann die Zusage. Der Februar und März war für die Planung da, jede Seite wurde am PC skizziert, Texte wurden abgeglichen, Cover entworfen und die ersten Seiten wurden probeweise getuscht. Im April bis Juli ging es dann richtig los, dort wurde jede Seite auf japanisches B4 Papier (von j-stuff.de) übertragen und getuscht. Die feinen Linien und Hintergründe habe ich vorwiegend mit Rapido und Isographen (von Rotring) gezeichnet, Kleidung mit japanischen Federn (G-pen, Saji-pen und Maru-pen), dazu Deleter Tusche (die Blaue). Gerastert habe ich die Seiten über Photoshop, die einzelnen Folien habe ich von Deleter Comicworks in das Programm gezogen.

2. Was war deine Inspiration zu den Figuren und der Handlung?

[Christina] Das war ein Traum. Ich bin morgens aufgewacht und hatte geträumt, dass ein junger Mann in einem recht knappen Kimono vor dem strahlenden Vollmond schwebt. Ohnmächtig sackt er dann im Vorgarten zusammen und ein anderer Mann, der das Geschehen vom Balkon aus beobachtet, trägt ihn ins Haus.
In der ersten Version also, gab es Satoshi noch nicht und es gab auch einen Balkon, aber ich habe mich dann für ein japanisches Haus entschieden.
Zu den Figuren:
Yuki entsprang quasi genau aus meinem Traum. Ich wollte ihn zierlich zeichnen, so sanft wie den Schnee, zudem sollte er einen reinen und zerbrechlichen Charakter haben, unschuldig, da er ja hauptsächlich weiß ist und der Schnee auch als unschuldig angesehen wird. Da das aber etwas zu langweilig ist, habe ich ihn etwas unterwürfiger gestaltet mit einem leichten Hang zur Dominanz.
Von Kurai könnte man meinen, das er der typische Seme (aktiver Part) ist.
Aber er ist anders. Eher verträumt und romantisch und passiv, aber er bleibt der aktive Part. Das ist jetzt schwer zu umschreiben, sagen wir so: Er ist aktiv, aber liegt unten. Ich wollte einen untypischen Seme haben, der auch Schwächen hat, aber er sollte auch intelligent sein und eine Vergangenheit haben, so dass er eine Entwicklung durchmachen konnte. Rachiel ist ja ein Engel, ich habe ihn vor über 10 Jahren entworfen und seitdem kommt er eigentlich ständig irgendwo vor. Die Handlung war schnell entschieden, nur das Ende war in meiner ersten Version anders. Es sollte Sommer werden und Yuki sollte sich auflösen. Wie man aus meinen FFs ersehen kann, habe ich einen Hang zu Dramen und dazu, meine Charaktere sterben zu lassen.

3. Hast du eine(n) Mangaka, oder eine Serie, die besonders bewunderst?

[Christina] Sehr viele sogar! Eichiro Oda (One Piece) ist klasse, er erschafft seine ganz eigene Welt und Charaktere, die weltweit eine große Fanbase haben. Clamp zeichnet einen ganzen Manga pro Monat, ihre Geschichten sind aussergewöhnlich, fantasievoll und auch die Charaktere sind unverwechselbar, zudem sind sie zeichnerisch auf sehr hohem Niveau! Natürlich auch Naoko Takeuchi (Sailor Moon), die einen gigantischen Erfolg verzeichnen konnte, aber auch viele andere, die es schaffen in einem oder mehreren Bänden etwas wundervolles zu erschaffen.

4. Haben dich deine Freunde und deine Familie beim Zeichnen unterstützt?

[Christina] Ich habe noch eine Cousine, die sehr stolz auf mich ist, das freut mich natürlich sehr. Ansonsten konnte ich es in der zeichnerischen Phase niemandem sagen, bis es einige Monate später schon öffentlich wurde. Ich bekam schon Unterstützung, aber letztlich ist man zu Hause alleine und zeichnet auch alles selbst. Es ermutigt mich natürlich wenn mich so viele Zuschriften erreichen und Ermutigungen von Lesern, die mich ja eigentlich gar nicht kennen und ich sie nicht, ich sie aber dennoch mit meiner kleinen Geschichte erreichen konnte, berühren konnte, das ist viel mehr wert, als alles an Zuspruch oder Unterstützung, was man sich vorstellen kann.

5. Warst du irgendwann unsicher, oder hast gezweifelt was dein Können angeht?

[Christina] Jede verdammte Sekunde. Natürlich zeichne ich seit vielen Jahren und immer wenn ich etwas neues anfange und denke: „Hei, das ist gut!“ Dann sehe ich mir das Bild nach ein paar Wochen nochmal an und denke, oh weh… Das ist aber etwas Gutes, da man nur so besser wird. Würde ich denken, dass ich mich nicht verbessern muss, weil ich ja gut genug bin, dann würde ich stehen bleiben und das wäre furchtbar. Kritik und Feedback und mein eigenes Urteilsvermögen ergeben eigentlich eine recht gute Mischung. Es gibt natürlich Tage, an denen ich glücklich bin, da alles genau so läuft wie ich es möchte und Tage, an denen wirklich nichts funktioniert, aber das ist normal.

6. Wie bist du zu Egmont gekommen?

[Christina] Es war ein langer und steiniger Weg. Im Sommer 1999 habe ich meine erste Bewerbung an Egmont geschickt, damals mit einer Dämonen/Magical Girl Geschichte. Über die Jahre habe ich immer mal wieder was hingeschickt, 2006 war ich sogar persönlich auf der Leipziger Buchmesse. Danach habe ich bis zum Sommer 2009 gewartet, für meine nächste Bewerbung. Dieses Mal bin ich aber hartnäckig geblieben und habe nicht aufgegeben.

7. Möchtest du einen zweiten Teil schreiben & zeichnen, oder etwas Neues beginnen? Eine Serie eventuell?

[Christina] Etwas neues ist auf jeden Fall geplant. Ich habe jede Menge Geschichten geplant, eine hat sogar 16 Bände, ich habe aber auch viele andere, die circa 4-12 Bände haben. Also ich habe noch viel vor!

8. Wie kamst du darauf im Manga-Stil zu zeichnen und nicht etwa Comics, die hier in Europa vielleicht eher bekannt sind?

[Christina] Es ging schon los, dass ich Heidi gerne gesehen habe, als Die Kickers und Captain Tsubasa/Die tollen Fußballstars liefen, wollte ich Fußballerin werden, bei Mila Superstar habe ich angefangen Volleyball zu spielen, als aber Sailor Moon kam und plötzlich die Zeitschriften voll damit waren, kam ich über die Screenfun (Mit Sailor Moon auf dem Cover) zu ACOG (ehemaliger Bestellkatalog von Anime Artikeln), wo ich erstmals Begriff (da war ich wohl 11 oder 12) dass Anime und Manga etwas anderes ist als Comics und die ganzen Serien, die ich so mochte, waren alle Anime. Im Handel gab es dann den Sailor Moon TV Comic, wo auch ein Bericht über die Manga kam und ich war sofort von den filigranen Zeichnungen begeistert. Es war so Mädchenhaft… Blumen und alles so schön, genau das wollte ich auch machen.

9. Bist du mit „Snow Flake“ auf Convention-Tour?

[Christina] Ein wenig. Die Mayersche Buchhandlung hatte mich im Oktober für acht Städte gebucht, wo ich nebst Zeichenkursen auch etwas Werbung machen konnte. Danach war ich noch in der Lehmanns Buchhandlung in Leipzig und in der Thalia Filiale in Österreich. Für den Rest des Jahres habe ich eigentlich frei, jetzt bin ich nur noch für einen Tag in Hamburg, im Sakura/El Dorado Comic und Manga Shop, wo ich ab 14 Uhr am Samstag den 4. Dezember die Bücher signieren werde. Mal schauen ob ich noch wo sein werde, das ist oft kurzfristig, aber ich stelle alle Infos auf meinen Animexx Steckbrief 🙂

10. Erinnerst du dich an deine ersten Zeichnungen? Hast du da vielleicht einen Scan?

[Christina] Oh ja… Es war eine schlechte Sailor Moon Kopie *lach* Ganz huckelig, alles abgezeichnet, viel zu große Augen, viel zu dünn und viel zu lange dürre Beinchen. Als dann meine Dragon Ball-Phase dazu kam, wurde das Ganze mit dem jetzigen Stil gemischt, das sah echt ulkig aus… Dann kamen noch Satoshi Urushihara und Clamp dazu und eigentlich hatte ich keinen eigenen Stil. Der hat sich erst viel später entwickelt. Ich bin erst Mitte Dezember wieder zuhause, da kann ich dir gerne alte Zeichnungen schicken 🙂 [Anm. Noctifer: Wird dann dem Blogbeitrag zugefügt]